Baumschutzinitiative Hannover

Hallo Sonntag, 9.2.1997

Stadt entzieht Ehrenamt
Baumschützerin wird abgesägt
Hannover (otk). Sie sind mit 
dem Schutz der Wälder, Grün-
anlagen und Felder innerhalb
des Stadtgebietes betraut.
Rund 30 ehrenamtliche Feld-
und Forsthüter achten in Han-
nover auf die Einhaltung be-
stimmter Umweltrichtlinien.
Mit Ablauf der letzten Woche
gibt es allerdings eine Ehren-
beamtin weniger: Julia-Ger-
traud Hamann. seit zwei Jah- 
ren im Amt. ist nun von der
Stadt über die "Beendigung ih-
rer Dienstzeit" in Kenntnis ge-
setzt worden.
"Es hat mich erstmal umge-
hauen", berichtet die
Frührentnerin. Zwar sei sie
zunächst nur für eine 24-mo-
natige Probezeit bestellt wor-
den, üblicherweise würde
nach Ablauf dieser Frist aber
eine Ernennung auf Lebenszeit
erfolgen.
Daß sie, als unaufhörliche
Kritikerin des Grünflächenam-
tes, bei der Verwaltung nicht
sonderlich beliebt ist, sei ihr
klar. Insbesondere der Protest
gegen den Wegebau im Geor-
gengarten habe zu Kontrover-
sen mit der Behörde geführt.
Allerdings habe es, außer zu
Beginn ihrer Tätigkeit. keine
Beanstandungen ihrer Vorge-
hensweise gegeben. Damals
wurde ihr vorgeworfen, die
Presse eingeschaltet und da-
mit den Dienstweg verletzt zu
haben. ,Es gab aber keine wei-
teren Vorwürfe. weshalb ich
annahm, die Verwaltung
nimmt mein Handeln still-
schweigend hin." Offiziell an-
gelastet wird Frau Hamann. ei-
nen vorgeschriebenen Verwal-
tungslehrgang nicht absolviert
zu haben. Aus privaten Grün-
den war sie damals nicht in 
der Lage gewesen, an dem Kurs
teilzunehmen.. "Mir wurde 
kein zweiter Termin angebo-
ten", erklärt die 54jährige.
"Dieser Lehrgang kostet meh-
rere 100 Mark, eine Summe,
die wir ehrenamtlichen Mitar-
beitern nicht zumuten kön-
nen", erläutert Petra - Rieger,
Leiterin der Stelle für allgemei-
ne Ordnungsaufgaben im Ord-
ungsamt. Frau Hamann ist nie
an die Behörde herangetre-
ten, um den Termin nachzuho-
len." Es bestehe im übrigen kein
Rechtsanspruch auf die-
ses Ehrenamt, das zunächst
auf zwei Jahre befristet war.
Daß der Baumschützerin nun
ihr Amt entzogen wird, weil
sie für die Stadt unbequem
war, wird von Rieger ausdrück-
lich verneint.


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