Baumschutzinitiative Hannover

Hallo Sonntag, 24.5.96

Ex-Feld- und Forsthüterin kritisiert:
,,Baumschutz wird ständig unterlaufen"

HERRENHAUSEN
(otk). Im 
Georgengarten kennt Julia-Ger-
traud Hamann fast jeden Gras-
halm. Über die Jahre ist die
Grünanlage zu ihrem zweiten 
Zuhause geworden. Um so sen-
sibler reagiert die Naturfreun-
din. wenn sie wieder einmal
mit Verstößen insbesondere ge-
gen die Baumschutzsatzung
konfrontiert wird.
"Täglich", klagt sie. "sind sol-
 che Vorkommnisse zu beob-
achten." Dabei seien es oft-
mals die vermeintlichen Fach-
leute. die grobe Fehler im Um-
gang mit der schutzenswerten
Flora offenbarten. "Die Mitar-

beiter des Grunflächenamtes
ignorieren die von der eigenen
Behörde aufgestellten Regeln.
Absperrungen beispielsweise
scheinen nur für den Bürger
zu gelten", kritisiert sie den re
gen Fahrzeugverkehr des Am-
tes im Georgengarten.
Bei den zur Zeit vier Baustel-
 len auf dem Areal zwischen Ni-
enburger Straße und Steintor-
masch/Jägerstraße hat Frau Ha-
mann eklatante Mängel ausge-
macht. Ans Parkplatz in unmit-
telbarer Nähe zum Wilhelm-
Busch-Museum sei ein Graben
zum Legen von Leitungen aus-
gehoben worden. Dabei habe
man sich nicht an die Richtli-
nien für Baustellen gehalten.
Baumwurzeln seien auch über
Nacht völlig offen und damit
schutzlos belassen worden.
Erst nach ihrer Intervention
habe man den geöffneten Erd-
bereich. allerdings unzurei- 
chend, abgedeckt. 
Weiteres Ärgemis: Immer 
wieder ist das Parken unter 
Bäumen und auf Baumschei- 
ben zu beobachten, ohne daß
die Stadt reagieren würde.
Gerade bei Großveranstal
tungen wie der Kunst- und An-
tiquitätenmesse oder den Lich-
terfesten und Feuerwerkswett-
bewerben parkten unzählige
Fahrzeuge in diesen Bereichen.
"Wenn das so weitergeht und
pro Tag Tausende von Besu-
chern ins geplanten Regen-
waldhaus erwartet werden.
wird wohl zur EXPO der ge-
samte Georgengarten als "Be-
helfsparkplatz" herhalten
müssen. Wo sollen die armen
Autos denn sonst auch alle
hin", fragt sich Hamann mit
entsprethendem Galgenhu-
mor. Der Verwaltung gilt die
Gründerin einer Baunsschutzi-
nitiative als lästige Beschwer-
deführerin. Ihr Amt als Feld-
und Forsthüterin wurde ihr
Anfang des letzten Jahres vom
Ordnungsamt entzogen.
Hoffnung. daß sich etwas
zum Wohle der Natur ändert,
hat die 54 jährige dennoch.
Ausdrücklich begrüßt sie die
Maßnahmen gegen "wildes
Parken" am Zoo. Die dort auf-
gestellten Baumstämme ver-
hindem das Parken auf Grün-
flächen und Baunsscheiben


Autos zur Antiquitätenmesse vor dem Großen Garten
unter Bäumen






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