Baumschutzinitiative Hannover



HAZ, 21.12.95 (Nord) S. 4

HERRENHAUSER GÄRTEN

Bäume sollen geschont werden

Gegen die  vom Rat beschlossene Umgestaltung des Georgengartens in Herrenhausen
hat eine ehrenamtliche Forsthüterin der Stadt, Julia-Gertraud Hamann,
Einspruch eingelegt.(*)
Sie befürchtet, daß durch die neue Wegeführung im Park vor
dem Wilhelm-Busch-Museum 13 Bäume, darunter Eichen, Linden und Platanen,
beschädigt werden. Wenn die Wege im Landachaftsgarten wieder nach
historischem Vorbild angelegt würden, müßten viele tiefhängende Baumäste zu-
rückgeschnitten werden, was einen "erheblichen" Eingriff bedeute. (**)

Das einige Bäume, "aufgeastet" und tiefhängende Zweige zurückgeachnitten
werden, sei jedoch keine Bedrohung für die Pflansen, betonte der
stellvertretende Abteilungsleiter im Grünflächenamt, Cord Panning. Der Erhalt
sei oberstes Ziel, da die Wirkung des Landschafts­gartens nur durch gesunde
Bäume am Wegesrand erzielt würde. Da die geplanten Wege bereits 110 Jahre im
Georgengarten bestanden hatten und die Bäume entsprechend angeordnet waren,
könne man auch nicht von einer, "Neugestaltung" sprechen. Für die
Wiederherstellung des historischen Vorbilds müßten insgesamt drei Ebereschen
gefällt werden. Der Leiter des Grünflächenamts, Kaspar Klaffke, sagte bei der
Abstimmung im Rat zu, daß bei der Gestaltung des Gartens so behutsam wie
möglich gearbeitet werde ***).                                                              la
 
 

Anmerkungen:

*) Der Einspruch lag fristgemäß zur Ratssitzung vor - während es in dem Zeitungsbericht so klingt, als ob der Einspruch nach dem Beschluß eingereicht worden wäre.

**) Ich hatte vor allen Dingen beanstandet, daß auch Wurzeln abgeschnitten werden müßten - was eine wesentlich größere Schädigung der alten Bäume bedeutete.

***) Die Aussage des Umweltdezernenten, daß "nur" drei Ebereschen gefällt werden müßten, war falsch.
Sie diente lediglich dem Ziel, das Einverständnis der Politiker zu gewinnen.
 

Eine "Grüne" Ratsfrau hatte mir nach einer Ortsbesichtigung zugesagt, wegen der Baumschädigungen meinen Einspruch zu unterstützen - fiel dann aber um. Sie rief mich während der Ratssitzung heraus und sagte mir, daß sie ihre Zusage leider nicht aufrechterhalten könne - und stimmte der Umgestaltung (und damit den Baumschädigungen) zu.
Sie wurde kurze Zeit später 2.stellvertretende Oberbürgermeisterin (!)

Ich hatte den Eindruck, daß es bei bei dieser Entscheidung um die Profilierung des Grünflächenamtsleiters ging, der zur EXPO gern den original historisch wiederhergestellten Georgengarten vorführen wollte.
Als ich ihn anrief, daß Wurzeln mit dem Bagger abgerissen wurden, kam er nach 3 Tagen, als alles wieder zugeschüttet war und meinte: "Ich wollte mal sehen, ob hier auch ordentlich gearbeitet wird!"
Natürlich sah er keine Schädigungen mehr - aber er kann sagen, daß er persönlich da war und sich davon überzeugt hat, daß alles in Ordnung ist!
Auch wurde später fälschlicherweise immer wieder behauptet, der Umbau sei von einer Gartenbaufirma durchgeführt worden. Es war aber eine Straßenbaufirma!
 
 

Siehe auch: Fax des Umweltdezernenten
Siehe auch: Schädigungen durch Bauarbeiten

Siehe auch: Historische Wiederherstellung des Georgengartens (in Arbeit)


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