Baumschutzinitiative Hannover






Datum=06.06.1996; Quelle=HAZ; Ressort=STAN;
Dachzeile=GEORGENGARTEN_Forsthüterin_Julia_Hamann_ist_besorgt_über_Wegebau;
Überschrift=Platane_geht_es_an_die_Wurzeln; Name=GEORGENGARTEN;
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GEORGENGARTEN / Forsthüterin Julia Hamann ist besorgt über Wegebau
Platane geht es an die Wurzeln

Der Georgengarten soll sein ursprüngliches Aussehen als Landschaftspark nach
englischem Vorbild wieder bekommen  was für Stadtverwaltung und Politiker
ein erstrebenswertes Ziel ist, hält Julia-Gertraud Hamann, ehrenamtliche
Feld- und Forsthüterin der Stadt Hannover, für ein fragwürdiges Unternehmen.

Bei der Umgestaltung des Wegenetzes nach originalgetreuem Vorbild würden
nämlich 13 Bäume zum Teil erheblich beschädigt, meint sie. Besonders
betroffen sei eine gut 200 Jahre alte Platane. Der neue Weg führe genau
unter ihr hindurch, Eingriffe ins Wurzelwerk seien unvermeidlich, Schäden zu
befürchten.

Zwischen der Platane und einer ebenfalls mächtigen Eiche ist der
empfindliche Wurzelbereich der Bäume von den Arbeiten betroffen. Um die
Pflanzen nicht zu schädigen, hätte hier nur mit äußerster Vorsicht
vorgegangen werden dürfen. Eine Zusage der Stadt  laut Hamann sei
vereinbart worden, nach und nach weiterzuarbeiten und bei der Umgestaltung
in den sensiblen Bereichen besonders vorsichtig zu sein  haben die Arbeiter
an Ort und Stelle haben offenbar nicht eingehalten. Die Verbindung vom
Vorplatz des Museums zum parallel verlaufenden Weg ist schon komplett. Es
sei notwendig gewesen, diese Lücke zu schließen, um Material besser über die
Baustelle transportieren zu können, sagte der Bauleiter: “Wir hören doch
nicht in der Mitte der Strecke mit der Arbeit auf.³

Die Forsthüterin stand somit vor vollendeten Tatsachen. Der Boden über den
Wurzeln war am Freitag bereits abgetragen šimmerhin behutsam per Schaufel.
Ein Teil der Wurzeln lag frei, meist kleinere Verästelungen, die im Zuge der
Arbeiten gekappt werden. Dickes Wurzelwerk wird unter dem neuen Weg
verschwinden. Julia Hamann befürchtet nun, daß die beiden alten Bäume auf
lange Sicht zu Schaden kommen. Nicht allein die Wurzeln, auch die Äste über
dem Weg müßten beschnitten werden. Durch die offenen Wunden könnte es zu
Pilzbefall kommen, in einigen Jahren könnte der Baum so krank sein, daß er
nicht mehr zu retten ist und der Axt zum Opfer fällt  dies seien mögliche
Spätfolgen des Wegebaus.

Dieses Risiko werde für ein völlig überflüssiges Streben nach historischer
Genauigkeit eingegangen, meint auch Herbert Schwarzrock, Pastor der
Luthergemeinde. Für die Besucher des Gartens sei es unerheblich, ob der Weg
auf dem sie gehen, genau den Plänen aus dem 19. Jahrhundert entspricht. Zehn
Meter weiter östlich verlegt bietet sich nach Ansicht des Gottesmannes nicht
nur eine schönere Ansicht der beiden Baumriesen, die Pflanzen würden auch
von Arbeiten nicht betroffen sein. “Für Spaziergänger bedeutet das mehr
Genuß³, bekräftigt Schwarzrock.

Bei der Stadtverwaltung haben die Vorstöße Hamanns bislang kein Gehör
gefunden. Seit dem Dezember des vergangenen Jahres versucht sie, den Umbau
der Wege zu verhindern švergeblich. Eingaben an die übergeordneten
Naturschutzbehörden waren ebenso zwecklos, wie Briefe an Oberbürgermeister
Herbert Schmalstieg und die niedersächsische Umweltministerin Monika
Griefahn. Die Befürchtungen der Nordstädterin seien ohnehin unbegründet,
behauptet Kaspar Klaffke, Leiter des Grünflächenamtes. Die Wegeführung sei
so gewählt, daß Beschädigungen vermieden würden. “Wir geben uns große Mühe³,
betont Klaffke. Die Bäume seien in ihrer Lebenskraft nicht beeinträchgtigt.
Wo gärtnerisch anständig gearbeitet werde, sei auch nicht mit Spätschäden zu
rechnen. vo
 


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