Baumschutzinitiative Hannover






(c) 1993 Verlagsgesellschaft Madsack

Datum=15.08.1996; Quelle=HAZ; Ressort=STAN;
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für_den_Baumschutz_vor_allem_im_Georgengarten;
Überschrift=Vom_Balkon_aus_ist_das_Revier_ständig_im_Blick;
Name=Julia_Hamann;
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NORDSTADT / Feld- und Forsthüterin Julia Hamann ergreift Initiative für den
Baumschutz  vor allem im Georgengarten

Vom Balkon aus ist das Revier ständig im Blick

Julia Hamann hat ein Herz für Bäume. “Die können nicht schreien oder
weglaufen³, betont die 51jährige, “und irgend jemand muß sich doch für sie
einsetzen³. Seit anderthalb Jahren kann sie sogar einen Dienstausweis
vorzeigen, wenn sie einen Umweltfrevler im Georgengarten erwischt: Julia
Hamann ist eine von rund 40 Feld- und Forsthütern und -hüterinnen in
Hannover, die im Auftrag der Stadtverwaltung ein waches Auge auf das Grün im
Stadtgebiet haben.

Das Aufgabengebiet der Ehrenamtlichen ist weit gefächert: Wer auf Bäume oder
Straßenlaternen klettert, nicht freigegebene Eisflächen betritt, oder
einfach Blätter von Büschen reißt, muß damit rechnen, daß ihn ein Feld- und
Forsthüter beobachtet und bei groben Verstößen gegen die Vorschriften sogar
anzeigt. Julia Hamanns “Revier³ ist der Georgengarten. “Ich kann mich aber
nicht um alles kümmern³, gesteht die Feld- und Forsthüterin, “wenn ich zum
Beispiel jeden ansprechen würde, der im Georgengarten unerlaubt grillt,
hätte ich bei schönem Wetter viel zu tun.³ So schreitet sie nur ein, wenn
die Ausflügler unter Bäumen grillen und mit dem Rauch die Laubkronen
schädigen.

Denn Bäume sind Julia Hamanns Steckenpferd: Vor 22 Jahren, als sie noch als
Technische Assistentin an der Uni Hannover arbeitete, trat sie in der
Nordstadt zum ersten Mal in Aktion. “Eine Birke Am Kleinen Felde sollte
gefällt werden³, erinnert sich Julia Hamann, “das konnte ich durch meinen
Protest verhindern, und der Baum steht jetzt noch dort.³ Heute habe sie als
Frührentnerin mehr Zeit, sich um das Wohl ihrer Schützlinge zu kümmern, die
sie vom Balkon ihrer Wohnung in der Nienburger Straße allzeit im Blick hat.
Sie hat bereits eine Reihe von Erfolgen aufzuweisen: Nachdem zum Beispiel
die Universität in das Conti-Hochhaus umgezogen war, parkten dort ständig
Autos die Baumscheiben zu. “Bei der Stadtverwaltung konnte ich erreichen,
daß Poller gesetzt wurden,³ erzählt die Baumfreundin stolz. Nicht immer
stößt Julia Hamann bei ihren Aktionen auf derartiges Verständnis. Im
Frühsommer habe sie zum Beispiel die Bauarbeiter vor dem
Wilhelm-Busch-Museum gebeten, Bescheid zu geben, wenn der Wegebau zwischen
besonders alten und schützenswerten Bäumen beginnt. “Mir wurde ein falscher
Termin gesagt, und als ich wenig später zufällig dort war, konnte ich nur
noch beschädigte Wurzeln einsammeln.³ Diese Beweisstücke, die sie unter
einem Bauwagen deponierte, seien dann auch noch auf ungeklärte Weise
verschwunden.

Als ehrenamtliche Feld- und Forsthüterin kümmert sich Julia Hamann nicht
ausschließlich um das Wohl der Bäume: “Wenn jemand aus falscher Tierliebe
Vögel füttert oder sein Auto auf der Straße wäscht, dann spreche ich ihn
schon an³, erzählt sie, “leider reagieren die meisten Leute sehr aggressiv.³
Sie sei aber nicht der Typ, der Umweltsündern mit Strafen droht. Eine
Anzeige nutzt ihrer Ansicht nach wenig: “Damit wird der Schaden nur
verwaltet.³ Sie rede lieber mit den Leuten, und versuche, sie zu der
Einsicht zu bewegen, daß ihr Tun der Natur schadet. Mit den anderen Feld-
und Forsthütern in Hannover wünscht sich Julia Hamann noch mehr
Erfahrungsaustausch. Sie kommen bislang nur einmal im Jahr zum “Einsatzplan³
für die Osterfeuer zusammen. “Wir überwachen, ob das Gestrüpp vor dem
Anzünden tatsächlich umgeschichtet wird³, erzählt die 53jährige, “damit
keine Tiere mit verbrennen.³ Jetzt sucht die Feld- und Forsthüterin
Mitstreiter, denen das Wohl der Bäume ebenso am Herzen liegt, wie ihr:
Deshalb hat sie jetzt eine Baumschutzinitiative gegründet. fri
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