Baumschutzinitiative Hannover






(c) 1993 Verlagsgesellschaft Madsack

Datum=07.01.1997; Quelle=HAZ; Ressort=LOKA;
Überschrift=Keine_halben_Antworten_plappern; Name=Einwohnerfragestunde;
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FRAGESTUNDE / Premiere

Keine halben Antworten plappern

Bürger fragen, Beamte antworten. Wenn¹s geht. So verlief gestern die
Premiere im Rathaus, die sich “Einwohnerfragestunde³ nennt. Es werden nicht
etwa Einwohner befragt, sondern Einwohner fragen die Verwaltung zu
beliebigen Themen eines Fachausschusses. Am Montag war die Umwelt dran. Aber
was dürfen Besucher überhaupt fragen? Ausschußvorsitzender Rolf Kindermann
verliest die Regularien: Fragen zu allgemeinen Themen des Ausschusses,
inklusive Tagesordnung, dazu zwei Zusatzfragen zum Thema der ersten Frage.
Mehr nicht.

Julia-Gertraud Hamann ist ehrenamtliche Feld- und Forsthüterin der Stadt
Hannover. Ihr Pullover trägt die Aufschrift “Bäume sterben leise³. Was ohne
Zweifel stimmt, der Lärm wäre sonst kaum zu ertragen. Also Frage Nummer
eins: “Gilt die Baumschutzsatzung auch für die Verwaltung?³ Sie habe da oft
anderes beobachtet. Dezernent Hans Mönninghoff geht darüber hinweg: “Wir
müssen alle erst lernen, mit der Fragestunde umzugehen.³ Fragen zur
Tagesordnung seien zum Beispiel nicht vorgesehen. Ehe man eine halbe Antwort
“plappere³, sollten Fragen lieber ganz, dafür aber schriftlich beantwortet
werden. Umweltamtschef Gerhard Meyer reagiert dennoch souverän, was Frau
Hamann beruhigt haben dürfte: “Gegen jeden bekannten Verstoß gegen die
Satzung wird ohne Ansehen von Personen und Organisationen vorgegangen.³ Ja,
so stellt man sich eine Verwaltung vor.

Als ein zweiter Einwohner ein “Obstbaum-Schlachtfest³ am Kronsberg geißelt,
wo Messe-Parkplätze entstehen sollen, beruhigt die Verwaltung noch einmal.
Das sei zulässig, es gebe ja Ersatzmaßnahmen: Für einen großen Obstbaum
würden schließlich drei kleine neu gepflanzt. So gesehen, hat sich die erste
Einwohnerfragestunde bewährt: Die (Um)-Welt in Hannover ist in Ordnung.

Eine Frage bleibt noch: Dürfen denn Einwohner in der Einwohnerfragestunde
nun eigentlich Fragen zur Tagesordnung stellen? gum
 


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