Baumschutzinitiative Hannover



(c) 1993 Verlagsgesellschaft Madsack

Datum=20.02.1997; Quelle=HAZ; Ressort=STAN;
Überschrift=Engagement_übertrieben_Stadt_zieht_Schlußstrich;
Person=Julia-Gertraud_Hamann;
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NORDSTADT / Verwaltungstechnische Gründe oder schlichter Rauswurf  Feld-
und Forsthüterin muß ihr Ehrenamt aufgeben

“Engagement übertrieben³: Stadt zieht Schlußstrich

Hannover hat eine ehrenamtliche Feld- und Forsthüterin weniger. Das
zuständige Ordnungsamt hat den auf zwei Jahre Probezeit befristeten Vertrag
mit der Baumschützerin Julia-Gertraud Hamann nicht verlängert. Über die
Gründe für die Entscheidung gibt es Meinungsverschiedenheiten: Spricht die
Verwaltung von formellen Gründen, so vermutet Hamann, die Stadt wolle eine
mißliebige Kritikerin loswerden. Aus den Ämtern wird unterdessen auch Kritik
an Hamanns Arbeit laut.

Die zuständige Stellenleiterin, Petra Rieger, nennt verwaltungstechnische
Ursachen dafür, daß Hamann nach der Probezeit nicht als Feld- und
Forsthüterin auf Lebenszeit ernannt wurde: Die Baumschützerin habe den
Vollzugsbeamtenlehrgang, der seit einigen Jahren Pflicht sei, kurz nach
Amtsantritt nicht besucht, da sie aus privaten Gründen verhindert gewesen
sei. “Wir haben Frau Hamann nicht noch einmal angeboten, einen Lehrgang zu
besuchen³, räumt die Stellenleiterin ein. Das Ordnungsamt habe festgestellt,
daß Privatpersonen wie Julia-Gertraud Hamann den “mehrere 100 Mark teuren³
Lehrgang aus eigener Tasche bezahlen müßten. Das habe man der Frührentnerin
nicht zumuten wollen. Ein Großteil der Feld- und Forsthüter seien
Verwaltungsangestellte, die den Lehrgang nicht bezahlen müßten. Insgesamt
achten in Hannover rund 30 ehrenamtliche Feld- und Forsthüter im Auftrag der
Stadtverwaltung darauf, daß Grünanlagen und Landschaftsschutzgebiete von den
Erholungssuchende pfleglich behandelt werden. Rieger betont, daß die
Beendigung von Hamanns Dienstzeit eine Entscheidung der gesamten
Stadtverwaltung sei und verweist auf das Grünflächenamt.

Die Baumschützerin ist empört: “Ich habe 1995 mehrfach schriftlich
angefragt, ob ich den Lehrgang noch nachholen kann.³ Sie habe zwar erfahren,
daß sie den Lehrgang bezahlen müßte, aber eine genaue Summe habe das
Ordnungsamt ihr nicht mitgeteilt. Hamann vermutet, daß die Stadtverwaltung
sie als “unbequeme Kritikerin in den eigenen Reihen³ loswerden wollte.
Gleich zu Beginn ihrer Tätigkeit habe das Grünflächenamt beanstandet, daß
sie wegen parkender Autos auf den Baumscheiben vor dem Conti-Hochhaus an die
Öffentlichkeit gegangen war. “Mir wurde gesagt, ich hätte als Mitglied der
Verwaltung eine Schweigepflicht und solle derartiges nur an das Ordnungsamt
melden³, berichtet die Frührentnerin, “aber dort reagiert man auf meine
Beschwerden nicht.³ Ihr massives Eintreten gegen den Wegebau im
Georgengarten sei der Verwaltung ebenfalls ein Dorn im Auge gewesen. Sie sei
sicher, daß das Grünflächenamt hinter der Angelegenheit stecke. Dort habe
man ihr auch verboten, in den Herrenhäuser Gärten aktiv zu werden.

Hans-Georg Preißel, Leiter der Herrenhäuser Gärten, bestätigt, der
Baumschützerin untersagt zu haben, in dem Barockgarten aktiv zu werden. “Wir
haben dort eigenes Aufsichtspersonal.³ Er habe vermeiden wollen, daß Hamann
dort Besucher anspreche und “die Leute wild macht³. Sie habe ein enormes
Sendungsbewußtsein in Sachen Umweltschutz und ihr Engagement deshalb
übertrieben. Anfänglich sei das Grünflächenamt zwar froh gewesen, daß
Julia-Gertraud Hamann zum Beispiel Autos meldete, die unerlaubt im
Georgengarten fuhren. Ihre telefonischen Anfragen und schriftlichen
Beschwerden hätten aber derart zugenommen, “daß wir eigentlich jemanden
halbtags anstellen müßten, der nur für Frau Hamann zuständig ist³.

Die Baumschützerin sei somit zu einer Belastung für die Mitarbeiter des
Grünflächenamtes geworden, meint Preißel. Außerdem gehe es nicht an, daß ein
offizielles Mitglied der Stadtverwaltung permanent gegen die Behörde Front
mache: “Ein derartiges Verhalten ist in jedem Betrieb unzulässig. Außerdem
verwirrt es die Bürger und untergräbt ihr Vertrauen in die Verwaltung.³ Der
Leiter der Herrenhäuser Gärten betont aber gleichwohl, keinen Einfluß darauf
gehabt zu haben, daß Hamanns Vertrag nicht verlängert wurde. “Darüber kann
nur das Ordnungsamt entscheiden.³ fri
 


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